Kräuterwanderung

Kräuterwanderung rund um Rotfelden

Schon nach hundert Metern hatte Frau Burkhardt eine interessante Stelle, ein Hügel ausgemacht, auf der sich eine Reihe heilender Kräuter niedergelassen hatten. Wer immer gedacht hatte, die Brennnessel sei ein Unkraut, hatte die Rechnung ohne die Kräuterexpertin gemacht. Fast eine fröhliche viertel Stunde ging da schon vorbei, bis die Teilnehmer mit Tipps und Ratschlägen versorgt waren. Nebendran gab es die echte Kamille zu pflücken, die dort in voller Pracht blühte. Frau Burkhardt zeigte die Details, auf die man unbedingt dabei achten sollten. Viele der Teilnehmer hatten Körbe dabei, in der die ein oder andere Pflanze dann gelegt wurde.  Da sprudelten die Anregungen für die Verfeinerung von Mahlzeiten nur so hervor, sodass mancher mit dem Aufschreiben kaum nachkam. Weiter ging es an Getreidefeldern mit blühenden Kornblumen und Klatschmohn vorbei auf die andere Seite des Tals, wo sich auf halber Höhe Magerwiesen befinden. Dort gedeihen Kräuter anderer Gattungen, die es als Heilmittel in die Apotheke schaffen. Die Zeit ging wie im Flug vorbei, als man nach zwei Stunden beim Schützenhaus ankam. Dort bildete ein Weißdornbusch den Abschluß, der noch zu besprechen war. Wer wußte schon, daß Joseph von Nazareth mit einem Weißdornstock nach Bethlehem spaziert sein sollte. Dazu hatte Frau Burkhardt noch ein passendes Gedicht parat. Die Teilnehmer dankten ihr zum Ende ihres Vortrages mit großem Applaus. Es war ein wunderschöner, unterhaltsamer Sonntagsspaziergang mit paradiesischen Anklängen.

Eine Anmerkung dazu:
Mensch und Natur sind viel stärker verbunden, als viele Menschen heute in der modernen Zeit wahrnehmen wollen. Rundum Rotfelden gibt es eine tausendjährige Kulturlandschaft, die von Generationen gepflegt wurde. Dass sich diese Pflanzen und Gehölzer gerade dort finden lassen, hat mit dem tiefen Wissen unserer Vorfahren zu tun. Sie waren bei Gesundheitsfragen auf sich selbst angewiesen und haben die Pflanzen deshalb dort hingepflanzt, um sie zur Verfügung zu haben. Vor hundert Jahren gab es noch keine Pille auf Rezept. Stattdessen hatte jeder kleine Fläschchen mit Kräutertinkturen zu Hause, deren Anwendung man, wenn Bedarf wegen einer Krankheit oder Verletzung bestand, gelernt hatte.